
Als ich neulich von der Neuerscheinung des Esslinger Verlags J.F.Schreiber „Lothar Meggendorfer: Zum Zeitvertreib … Ein Ziehbilderbuch“ hörte, habe ich mir – sehr gespannt auf ein neues flachmechanisches Abenteuer – sofort das preiswerte Buch (14,90 Euro)
bestellt. Es enthält 7 in Zeichnung und Farbgebung meisterhaft gestaltete Ziehbilder auf Glanzkarton, die jeweils eine für sich abgeschlossene Begebenheit humorvoll darstellen und durch einen gereimten Text auf der gegenüberliegenden Seite ergänzt werden. Die Vorlage für diesen Reprint stammt aus dem Jahre 1885. Hildegard Krahe, die das Standardwerk „Meggendorfers Spielwelt“ geschrieben hat, steuerte ein Nachwort bei. Kritisch anzumerken ist jedoch, daß das paper engineering einige Mängel aufwirft. Wie ist es sonst zu erklären, daß z.B. in der Szene „Der durstige Kasperl“ das Bierglas, das Kasperl heimlich seiner Gattin wegnimmt, nur 45 Grad angehoben wird, anstatt wie im Original etwa volle 90 Grad zum Mund des Kasperls gehoben werden müßte (siehe die Originaldarstellung bei Paperboxx). Neben weiteren Mechanikmängeln fiel mir aber auch besonders manche Lieblosigkeit der gestanzten Kartonteile auf, wo teilweise die Konturlinien der Meggendorfer-zeichnungen einfach weggeschnitten sind und dadurch beschädigt aussehen (Gesicht des Billardspielers, Blumenstrauß des Gratulanten).
Kunsthandwerk von unmenschlicher Kunstfertigkeit
Matthias Schulz beschreibt in seinem faszinierenden Artikel „Der Herr der Ringe“ Forschungen über Herstellungsweisen von neu entdeckten Objekten aus den Wunderkammern von Fürstenhöfen des 18.Jhdts.
Bis heute unverstanden sind die Techniken microfeiner Schnitzereien,
ganz abgesehen von den psychischen Belastungen der zur Fehlerfreiheit
im Herstellungsprozess gezwungenen Kunsthandwerker (Magazin DER SPIEGEL, Heft 36 vom 31.Sept.09) Ob es dazu mal eine Buchveröffent-lichung oder Ausstellung geben wird ?
Matthias Wandel (CA),
ein großer Freund der Holzverarbeitung und außerordentlich kreativer Kopf, hat wieder Vorrichtungen für seine Kreissäge und Fräsen erfunden. Es ist eine Freude zu sehen, wie er sich um einen Kern von Grundmaschine
all die sehr sinnreichen Hilfswerkzeuge und Vorrichtungen schneidert, nein tischlert, um dann mit der Präzision einer Profimaschine komplexe
Schreinerarbeiten zu bewältigen. So kann er z.B. aufwändige Holzverbin-dungen sehr präzise oder Puzzlebausteine in Kleinserien fertigen. Siehe
diese (und weitere) Filme:
Wooden router lift, with gears , 1.31 min
Building a wooden box, 11.37 min.
Multi slot mortising machine, 5.43 min.
Japanische Lachmaschine
Die Stimmerzeugung des Lachens ist bei WAHHA GO GO dem menschlichen Kehlkopf und Stimmbändern nachgebildet. Allerdings wird mit
erheblichem mechanischen Aufwand ein vergleichsweise mageres Ergebnis erzielt. (Thanks „Boing Boing“ )
Findiger Programmierer
läßt diesen Computer körperliche Arbeit verrichten !
(Thanks WIMP.com)
Theo Jansen II
Der 6-minütige TV-Bericht des Schweizer Fernsehens ist nun hier abrufbar
(Vollbildmodus einstellbar)
Theo Jansen in Zürich
Erstmalig stellt Theo Jansen mit einer Einzelausstellung in der Schweiz aus: Kunstraum Walcheturm, Zürich, Vernissage 26.8.09, 18 Uhr, Dauer: 27.8.-6.9.09.
Der Schweizer Künstler Daniel Imboden bietet dazu einen Workshop an,
bei dem er kleine Kartonmodelle mit der Jansenschen Kinematik bauen läßt.
Es wird einen Bericht im Schweizer Kultur-
fernsehen geben: „Kulturplatz“ am 26.8.09, ab 22.50 Uhr, später auch online
als Podcast zu sehen. Diese Sendung kommt aber auch als Wiederholung im deutschen Fernsehen bei 3sat am Samstag, den 29.8.09, um 9.05 .
O-Kan (JP),
das ist der japanische Holzmechanikkünstler Osamu Kanda. Er hat wieder 3 neue Youtubevideos hochgeladen:
– x8paper Fan
– Shooting Star 9
– Scoop 09
Nitipak Samsen,
ein thailändischer Designer, untersuchte das Phänomen des Münzwurfs: „Coin Flipper Experiments“ und baute einige Schleuderapparate dazu.(Thanks Bill McGown, via RBS Yahoogroup)
Yuri Suzuki (JP),
japanischer Designer, zeigt vom 16.-26. September bei Platform21 in Amsterdam seine neue Installation „Breakfast Machine„. Später soll sie
auf seiner Webseite ausführlicher dokumentiert sein. Sie ist inspiriert von alten Filmen mit goldbergesken Nonsensmaschinen, wie z.B. „Pee-wees Big Adventure“ von 1985.
Eine frühere kettenreaktionsartige Installation (Animatic) ist hier beschrieben und zu erleben.
