Lothar Meggendorfer: Bewegliches Schattenbild

Als ich 1969 in Recklinghausen die Ausstellung „Kunst als Spiel – Spiel als Kunst“ besuchte, sah ich zum erstenmal ein Werk des unvergleichlichen Lothar Meggendorfer, der mich mit diesem Schattenbild in seiner figürlichen Mechanik tief beeindruckte. Es stammte aus dem 2-bändigen Werk „L.Meggendorfers bewegliche Schattenbilder“ (je 8 Tafeln, München,1886)
und zeigt eine Szene eines Einsiedlers im Wald, der einen Hirsch füttert (hier ein Photo aus dem Ausstellungskatalog)
Man bedenke den riesigen Arbeitsaufwand, der hinter der Produktion dieser frühen Spielbilderbücher steckte, wenn man feststellt, daß jedes Teil mit Schere oder Messer handgeschnitten ist und umständlich mit Gelenken aus Drahtspiralen untereinander verbunden wurde.

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Joseph Harriott (UK): Untitled

Der Engländer Joseph Harriott wirkt bei der französischen Compagnie „Pointure 23“ in der Produktion „Et si Leonard…“ mit, einem Spektakel zwischen Kunst und Technik, das Leonardomaschinen in szenische Darstellungen packt und schließlich das Publikum zur Eigenkreativität anregt, die aber dann auch thematisch den historischen Hintergrund verlassen kann:

Untitled from Joseph Harriott on Vimeo.

(Dank an den Tipgeber Philsing)

Virginio Moutinho (PT): Toy Flying Circus/ Cello Player

Der portugiesische Architekt Virginio Moutinho aus Porto baut seit Jahrzehnten nebenher und nur für sich selber mechanische Kunstspielzeuge von hohem Niveau, die er auch öfters in Ausstellungen zeigt. Hier nun aber eine kurzzeitige Installation als Spielskulptur im öffentlichen Raum, deren Figuren über Seilzüge in Bewegung versetzt werden können. Wie Dug North heute mit der WALKBOX zeigte, gibt es nun endlich auch einige Videodokumente auf seinem neuen Youtubekanal.

Mein Lieblingsobjekt unter den figürlichen Skulpturen ist der Cellospieler:

Youtubes von Minoru Takahashi(JP)

Da es wegen der Sprachbarriere mehr Zufallsfunde sind, hat es für uns Westler einen besonderen Reiz hier fündig zu werden. So kannte ich bis jetzt nicht den Youtubekanal von –M.Takahashi und zeige daraus zwei Videos, zu denen ich allerdings keine Hintergrundinformationen habe. Vielleicht weiß jemand von Euch mehr ?

Und dieses, vielleicht im öffentlichen Bereich einer Mall ?

Die Mechanisten

Der Wiener Thomas Denkmeier produzierte dieses 5-min.Video seiner LARP-Gruppe „Die Mechanisten“. Zu sehen ist ein Ergebnis dieses hingebungsvollen Hobbys von steampunkigen Rollenspielern, deren Welten mir nicht geläufig sind.
LARP = live adventure role play. Via CLOCKWORKER.

Rachel Grimmer (AU): Feuer speiender Drache

Die australische Künstlerin und Ärztin aus Melbourne hat sich unter ihrem mittelalterlichen Pseudonym Antonia di Lorenzo in das Siena des 14.Jhdts. versetzt und erkundet mit wissenschaftlicher Akribie die Bildenden Künste dieses Zeitalters. Dazu erforscht und verwendet sie eine Reihe von handwerklichen Techniken dieser Zeit und vermittelt dies in Workshops (Siehe auch ihr Blog „My Medieval Life“)
In unserem Beispiel geht es um mittelalterliche Automaten am Beispiel dieses Drache. Ganz hervorragend ist ihre Dokumentation mit einem sehr umfangreichen Quellenfundus mit vielen Links, ausreichend zum Wegtauchen für einige Nächte:

http://mymedievallife.files.wordpress.com/2011/07/dragon-automaton-documentation.pdf

Neben dem ausführlichen Video ATHELIND hier die Kurzfassung davon:

Dug North und Philsing waren davon auch begeistert

Bizarres Interieur der Lathos Bar in Nafplio(GR)

Hoffentlich rafft die Griechenlandkrise dieses Kleinod einer Kneipe nicht hinweg. Hier hat der Wirt Tassos Golemis eine
Melange aus Trödel und Kinetik geschaffen, wie man es kaum woanders erleben kann, weil er eben alten Dingen unbedingt Leben einhauchen möchte. Petra Gust-Kazakos hat darüber einen Artikel geschrieben, der allein deswegen Lust auf einen Nafpliobesuch macht: http://phileablog.wordpress.com/2011/05/02/the-place-to-be-in-nafplion-lathos-bar/
Ich würde mich sehr freuen, wenn ein Griechenlandfahrer, der dort hinkommt, das mal besser filmen würde, als in diesem
Amateurvideo :

Dank an CLOCKWORKER, der das am 4.Mai publizierte.

Apropos Maschinenkunst in Kneipen: Im Gregor Samsa in Nürnberg sollen Kunstmaschinen von Peter Hammer zum Kneipeninventar gehören. Im Köln der 80ger Jahre gab es ein italienisches Esslokal in K-Lindenthal, wo hoch oben an einer Wand Brötchen, Baguettes und weitere Backwaren ungeordnet aufgehängt waren und durch Knopfdruck von der Theke aus über Fadenzüge auf geheimnisvolle Weise sich zu einem Gesicht formten. Ein unbeschreibliches Erlebnis, geschaffen von dem Künstler Klaus Pachulak, von dem ich eine Ausstellung sah, die mich sehr beeindruckte, aber später nie wieder etwas von ihm hörte. Nicht mehr kinetisch aber auch schön war mein Besuch im Leierkasten von Kurt Mühlenhaupt (frühe 60ger Jahre) in Berlin Kreuzberg, wo eine sehr eigenwillig bestückte Musicbox stand (Bach, Jazz, Sprechplatten etc.). Und zum Schluß noch dieses aktuelle Kneipengeheimnis aus England: http://www.wimp.com/weirdthing/ (Thanks to Wimp.com)