-Dieser Blog bearbeitet Informationen, Medien und Links zu bewegten Skulpturen (Kinetische Kunst), Kugelbahnen, kuriosen Maschinen, Automata und Papiermechanik. – This blog is devoted to the subject of Kinetic Art, Rolling Ball Sculptures, Automata, weird machines and wooden and paper mechanics.
Ludvik Cejp aus Hannover, ein Meister der „ungehobelten Präzisionsmaschinen…aus Holz,Primitivismus und anderen Ingredienzen“, wie er auf seiner Webseite humorvoll schreibt, hat nun – ganz seinem künstlerischen Stil verpflichtet – eine Orgel gebaut, auf der wie im Video gezeigt, seine Nichte die Englische Suite Nr.2 von J.S.Bach spielt, während L.Cejp im Hintergrund pumpend den notwendigen Orgelwind erzeugt. Dies ist das erste Video auf Cejps neuem Youtubekanal „boldtire“ und ich würde mich sehr freuen, wenn weitere über seine wundervollen kinetischen Objekte folgen würden.
Für die Freunde verrückter Maschinen ist die Roboexotica in Wien eine erste Wahl. Das diesjährige 4-Tage-Event geht
heute zuende und hat seit 2008 mit der „Barbot“ auch einen Ableger in San Francisco.
Dieses Wochenende soll auch die ‚Comicfuture Trashmachine‘
teilgenommen haben, eine goldbergeske Konstruktion einer Zähneputzmaschine vom Künstlerkollektiv „Atzgerei“
Der guatemaltekische Arzt und Automatist baut Wimmelautomaten, bei denen sich auf engem Raum viel bewegliches Personal versammelt, wobei es durchaus auch sein kann, daß in einer Szene Getriebeteile mitmischen. Hier ein mechanisches Theater zum Thema Bauernhof:
Auf seinem Youtubekanal gibt es noch weitere aktionsreiche Kabinettstückchen, übrigens auch mit musikalischen Bonbons unterlegt, von denen ich gerne die Titel wüßte.
In bester japanisch/englischer Automata-Tradition: die Mechanik ist nicht versteckt, nein sie macht offen sichtbar auch den größeren Teil des Objektes aus. Hier die etwas sisyphus-artigen Bemühungen des Froschbots in Szene gesetzt vom 35jährigen japanischen Youtube-User kitikitimanbo:
Der Künstler Hans Happ (1899-1992) entwarf und konstruierte unter vielen weiteren Objekten diesen Vogel mit Zugschnurantrieb, den er sich 1982 unter der Nummer DE3103559A1 patentieren ließ. Die Serienproduktion scheiterte an der mangelnden Fähigkeit der Arbeitnehmer den Vogel mit den Fäden funtionierend zusammenzusetzen.
Hans Happ fertigte eine Kleinstserie von etwa 10 Stück.
Ein Bekannter von mir, dem ich von den Kunstspielzeugen Hans Happs erzählte, kaufte einen Vogel. Nun ist er über 20 Jahre älter geworden und muß sich im Rahmen eines Umzugs verkleinern, sodaß er den Vogel verkaufen möchte. Wenn Interesse besteht, kann man mit Herrn Baruschke Kontakt aufnehmen: Gerd.Baruschke@web.de
Video: Gerd Baruschke
12 Jahre nach dem Tod des Künstlers aus der Nähe Frankfurts a.M. richtete das Hessische Puppenmuseum Hanau
eine Ausstellung für diesen genialen Erfinder künstlerischer, oft mechanischer Spielobjekte aus, deren
Museumstext hier einzusehen ist:
Die parallele zweiteilige Ausstellung mit Maschinenmodellen nach Entwürfen von Leonardo da Vinci läuft nun bis Ende Mai 2012 in den Industriemuseen in Hattingen und Witten. Näheres hier: http://www.lwl.org/LWL/Kultur/wim/portal/S/hattingen/Ausstellung/#top
Diese Ausstellung gastierte vor einiger Zeit in Bonn und Siegburg. Ich berichtete darüber vor über einem Jahr
Die Dead Chickens sind die Betreiber dieser Touristenattraktion, durch die ihr Mitglied und Hauptaktiver Hannes Heiner im Beitrag des SPIEGEL-TV führt. Und hier einige Impressionen von Antje Grothe aus dem Monsterkabinett in der Nähe der Hackeschen Höfe in Berlin-Mitte:
Die beiden leben als Paar in Minneapolis (USA) und haben sich gemeinsam auf mechanische Bildwerke spezialisiert, wobei Dean Lucker mehr zur räumlichen Art tendiert und Ann Wood in der Fläche arbeitet. Hier ihre Webseite: http://woodlucker.com/index.html
Ein ruhiger Film begleitet die Vorführung dieser traumverlorenen Werke stilsicher:
Er gehört zu den Heroen meiner frühen Jahre, als sich Künstler und Gestalter aufmachten, das biederdumpfe visuelle Erscheinungsbild der 50/60ger Jahre aufzubrechen.
So hinterließen bei mir einen starken Eindruck z.B. Saul Steinberg, Dieter Rams , TWEN, Atlas-Filmplakate und natürlich Tomi Ungerer, der mich mit seiner Freude am Mechanischen (siehe seine erlesene Spielzeugsammlung) und vielen Aspekten seines Riesen-Oevres – Bücher, Zeichnungen, Collagen, Illustrationen, Plakaten etc. fasziniert.
Hier nun erzählt er rückblickend auf sein Leben und Werk in englisch mit leicht elsässischer Färbung:
Einen noch stärkeren Bezug zu unserem Blogthema hat der allzufrüh verstorbene Vater Theo U.(Tomi U. war da drei Jahre alt), der ein angesehener Uhrmacher und international geschätzter Kenner der Uhren- und Automatengeschichte war. Er hat zum Beispiel das Standardwerk zur astronomischen Uhr des Straßburger Münsters geschrieben und die größte astronomische Uhr der Welt mit einer Vielzahl von figürlichen Automaten in 5 Stockwerken des Domturmes zu Messina auf Sizilien gebaut.
(ich suche noch eine Videodokumentation dazu. Die verwackelten Touristenvideos auf Youtube sind da wenig hilfreich. Wer weiß Näheres ?)
Tomi Ungerer hat in einem sehr einfühlsamen Buch „Es war einmal mein Vater“, Diogenes 2003, diesbezügliche Familienrecherche betrieben.